Salon gegen die Schwerkraft: Film “Tot in Lübeck”

In der Nacht zum 18. Januar 1996 gab es einen rassistischen Brandanschlag auf die Unterkunft für Asylbewerber*innen in der Hafenstraße 52 in Lübeck. Zehn Menschen starben, 38 wurden teils schwer verletzt und überlebten nur durch Glück.

Noch in der Tatnacht wurden vier Neonazis aus Grevesmühlen und Umgebung festgenommen, die zum Zeitpunkt des Brandes in der Nähe des Hauses in der Hafenstraße waren und von denen drei zudem frische Brandspuren aufwiesen. Sie wurden allerdings am darauffolgenden Tag wieder frei gelassen. Statt weiter gegen sie zu ermitteln oder allgemein die rassistische Motivation der Tat ernst zu nehmen, beschuldigten die Polizist*innen den Asylbewerber Safwan Eid.

Der Lübecker Brandanschlag reihte sich in die grassierende rassistische und neonazistischen Gewalt der 90er Jahre ein. In Lübeck hatte es zuvor überdies bereits zwei Brandanschläge auf die dortige Synagoge gegeben.

Die politische Reaktion war auch in Lübeck indes primär durch die Sorge um das Ansehen des wiedervereinigten Deutschlands im Ausland gekennzeichnet – so ließ Bundespräsident Roman Herzog nach dem Brandanschlag verlauten:
»Sollte es sich wieder um einen rechten Anschlag handeln, dann reißt mir allmählich der Geduldsfaden, dann gibt es wieder Lichterketten«

Heute, 22 Jahre später, sind die Täter des Brandanschlags in Lübeck noch immer nicht verurteilt, der Anschlag nicht aufgeklärt.

Der Film „Tot in Lübeck“ von Lottie Marsau und Katharina Geinitz dokumentiert die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Marsau und Geinitz lassen in ihrer Dokumentation ausführlich den Staatsanwalt und Safwan Eids Verteidigerin zu Wort kommen. Kommentiert wird dies alles von dem Kabarettisten Dietrich Kittner.

Mehr Infos zum Brandanschlag auf dem Blog “Hafenstraße ’96 – Gedenken & Anklagen”: https://hafenstrasse96.org/

Ab 19:00 ist die Ex-Vokü geöffnet, um 19:30 beginnt der Film. Dazu die üblichen Getränke. Eingang links neben den Treppen.

Rote Flora