Ort

Rote Flora (Ex-Vokü)
Kategorie

Datum

20 Feb 2019

Uhrzeit

19:00 - 23:55

Kantine3000: Frauenstreiks bis zur (November-)Revolution (Lesung)

Eine Veranstaltung mit Dania Alasti, Autorin des kürzlich im Unrast-Verlag erschienenen Buches »Frauen der Novemberrevolution. Kontinuitäten des Vergessens«.

20.2.19 // Einlass 19:00 // Rote Flora

Vor rund 100 Jahren stürzte die Novemberrevolution das deutsche Kaiserreich und beendete damit den (für Deutschland längst verloren gegangenen) Ersten Weltkrieg. Für einen Moment trat an die Stelle der alten Eliten eine Räte-Assoziation, welche zumindest für kurze Zeit das Fenster der Geschichte öffnete und einen Hauch vom russischen Oktober 1917 nach Deutschland wehen ließ. Das Ende des Krieges, der Sturz der Monarchie, die Einführung des Frauenwahlrechts, sowie die Etablierung von Koalitions- und Pressefreiheit sind nur Einige der Errungenschaften dieser Revolution – auch wenn ohne die blutige Niederschlagung der Räte, durch Militärs und Freikorps im Auftrag der SPD, weitaus mehr möglich gewesen wäre.

Soweit, so schlecht, und dabei eine meist bekannte (wenn auch umkämpfte) Geschichtsschreibung der Ereignisse von 1918/19. Frauen tauchen in dieser Erzählung mit wenigen Ausnahme kaum bis gar nicht auf, ihr zentraler Beitrag wird bis heute systematisch verdrängt und unsichtbar gemacht. Dabei protestierten insbesondere Frauen im Vorfeld der Revolution in großen Massen gegen den Ersten Weltkrieg und das deutsche Kaiserreich. Ihre Streiks, Demonstrationen und Ausschreitungen leisteten so einen wesentlichen Beitrag zur Vorbereitung der Novemberrevolution.

»Frauen der Novemberrevolution. Kontinuitäten des Vergessens« ist eine Suche nach den Spuren, die uns von den revoltierenden Frauen geblieben sind. Ihre Kämpfe entstanden aus der prekären Mobilisierung auf den Arbeitsmarkt und der Unsichtbarmachung ihrer vorangegangenen Lohnarbeitsverhältnisse, wie Hausanstellung oder Heimarbeit, die zumeist nicht mal als Beschäftigungsverhältnisse wahrgenommen wurden. Sie zeigten sich bei der Doppelbelastung von Lohn- und Versorgungsarbeit, deren Anerkennung bereits damals gefordert, aber nicht umgesetzt wurde.

Diese Strukturen sind bestehen geblieben. Anhand der Proteste der Frauen der Novemberrevolution und den vielfältigen reaktionären Antworten soll diskutiert werden, welche grundlegenden gesellschaftlichen Konflikte bis heute dringend feministischer Kämpfe bedürfen und wie sich diese Kämpfe in Hinblick auf die weltweiten Frauen*streikbewegungen gestalten.

Dania Alasti ist Doktorandin in Philosophie an der Freien Universität Berlin

 

—————————-

Eintritt gegen Spende: Der Erlös der Lesung fließt in antifaschistische Projekte.

Proudly presented by KANTINE3000, das monatliche Kulturgedöns in der Roten Flora. Im Anschluss an die Lesung gibt es wie stets einen Barabend mit stilvollen Getränken (Champagner), Essbarem (Kuchen, Muffins, Canapés) und Bier (Bier).