Redebeitrag der Roten Flora auf der Solidaritätsdemo mit Libertatia am 3.2.18

Solidarität mit den antifaschistischen Kämpfen in Griechenland und weltweit!

Am 21.01.2018 gab es in Thessaloniki während einer nationalistischen Demonstration mehrere faschistische Angriffe. Die Demonstration war von Faschisten,Nationalisten, Patrioten und klerikalen Kräften über Wochen organisiert worden und brachte letztendlich 100 000 Menschen auf die Strasse. Sie vereinte ein breites Spektrum national-konservativer und faschistischer Kräfte: von den Sozialdemokraten der PASOK, den konservativen Nea Dimokratia, der Partei ANEL, die die Regierung mit Syriza bildet, griechisch-orthodoxen Priestern, Armee-Generälen, bis hin zur faschistischen Bewegung Goldene Morgenröte.

Die Anschläge erfolgten aus dem Schutzraum der Demo heraus und richteten sich gegen besetzte Häuser als emanzipatorische Räume und alles, was nicht in deren Weltbild passt. So gab es Angriffe auf nicht-christlich religiöse Symbole, das Holocaust-Denkmal, das mit Insignien der Goldenen Morgenröte beschmiert wurde und einen kürzlich zurückgetreten griechisch-makedonischen Politiker.

Der Höhepunkt war das Niederbrennen des Libertatia-Squat, welches schon in der Zeit der Nationalsozialismus ein Ort des Widerstands gegen die deutsche Besatzung war und vor dem Brand ein Soziales Zentrum – ein Raum für Betroffene von faschistischer Gewalt, Geflüchtete,Anarchist_innen, allgemein Linke und LGTBQ. Der Angriff richtete sich nicht nur gegen das Haus, sondern vor allem für was es steht – ein emanzipatorischer Freiraum.

Bullen und die griechischen Nazis arbeiteten dabei Hand in Hand. Sie schützten die Angreifer, ließen sie durch die Polizeiketten und behinderten die Verteidigung des Squats. Festnahmen Fehlanzeige. Zusätzlich zu den faschistischen Angriffen geht die staatliche Repression gegen emanzipatorische Strukturen weiter.Am darauf folgenden Tag gab es in Thessaloniki bei einer antifaschistischen Solidaritäts-Demo mit dem Libertatia fünf Festnahmen.

Die faschistischen Aktionen in Thessaloniki sind kein Einzelfall, sondern reihen sich ein in die rassistischen und nationalistischen Angriffen in ganz Europa und der zunehmend autoritären Formierung der Gesellschaft. Auch hier zeigt sich diese in einer rassistischen Flüchtlingspolitik, der Weigerung den NSU aufzuklären, aber auch bei der Handhabung der G20-Prozesse.

Wir sagen einer solchen Politik den Kampf an.

In diesen Zeiten ist es wichtig Räume zu haben und zu erhalten, aus denen heraus dieser Kampf möglich ist und Experimentierräume für eine andere Gesellschaft bieten. Auch die Flora war immer schon ein Ort, der diese Auseinandersetzungen geführt hat und auch zukünftig tun wird.

Wir schließen uns damit dem Aufruf des Libertatia an den Kampf gegen Faschismus und Kapitalismus zu verstärken.

An die Festgenommenen : Viel Liebe, Support und Kraft. Im gemeinsamen Kampf gegen staatliche Repression und für eine bessere Gesellschaft stehen wir euch zur Seite.

Das gleiche gilt für den Kampf in Afrin für ein nicht-staatliches, emanzipatorisches und feministisches Gesellschaftsmodell.

Freies Afrin- halte durch!

Thessaloniki ist überall – Afrin ist überall – Überall ist Widerstand!

Rote Flora