Presseerklärung der Roten Flora vom 8. Juli 2017

In der vergangenen Nacht kam es nach Auseinandersetzungen mit der Polizei am Neuen Pferdemarkt zu mehreren brennenden Barrikaden im Schanzenviertel.
Die Barrikaden im Schulterblatt wurden im Laufe der Stunden immer größer. Außerdem wurden mehrere größere Läden entglast und geplündert. Anwohner*innen versuchten gezielt, kleinere Geschäfte zu schützen. Insgesamt haben sich im Bereich Schulterblatt bis zu 2000 Menschen aufgehalten, die Lage war über Stunden unübersichtlich.

Diese Situation wurde in den vorangehenden Wochen von Polizeipresse und Politik heraufbeschworen und produzierte die Bilder, die sie haben wollten. Die Auseinandersetzungen der gestrigen Nacht standen unter dem Vorzeichen von zahlreichen gewalttätigen, zum Teil rechtswidrigen Polizeieinsätzen mit Pfefferspray und Schlagstöcken.

Die Rote Flora distanziert sich nicht von militanten Aktivismus an und für sich, aber dieser muss zielgerichtet und auf allen Ebenen vermittelbar bleiben. Was wir kritisieren ist Militanz als Selbstzweck, der das eigentliche Ziel aus dem Blick verliert und damit beliebig ist. Das, was letzte Nacht auf dem Schulterblatt beobachtet werden konnte, war gekennzeichnet von Mackergehabe und Unverantwortlichkeit, die in Kauf nahmen, dass Menschenleben gefährdet wurden, unter anderem durch das Anzünden von Geschäften in Wohnhäusern. Das Viertel und seine Anwohner*innen haben sich in der Vergangenheit größtenteils solidarisch auf die Flora bezogen und verhalten. Wir können verstehen, dass viele Menschen in der Nachbarschaft auf die Ereignisse der letzten Nacht mit Fragen und Unverständnis reagieren.

In den nächsten Tagen werden die Ereignisse im Schulterblatt dazu genutzt werden, die berechtigten Proteste politisch zu delegitimieren. Die Proteste gegen den G20 – Gipfel, die Einschränkung des Versammlungsrechts, der Umgang mit Journalist*innen und Anwält*innen, die polizeiliche Eskalationsstrategie treten in den Hintergrund. Stattdessen wird im Nachklapp eine Kampagne gegen die Rote Flora und ihrer politischen Inhalte inszeniert werden. Die Flora war und bleibt wie in den vergangenen Tagen Teil der Proteste und bietet eine Informations – und Versorgungsstruktur für alle die sich an den notwendigen und entschlossenen Protesten gegen den Gipfel beteiligt haben.

Rote Flora

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